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Was bedeutet „Klinik für psychische Erkrankungen"?

Psychische Erkrankungen hat es in der Geschichte der Menschheit seit jeher gegeben. Die Psychiatrie als Fachgebiet der Medizin ist dagegen erst 200 Jahre alt. Das Wort setzt sich zusammen aus Psyche, dem griechischen Wort für die Seele, und Iatros, dem griechischen Wort für Arzt.

Weltweit versteht man unter Psychiatrie das Fachgebiet der Medizin, das die psychischen Erkrankungen und Störungen erforscht, untersucht und behandelt. Nur in Deutschland haben sich zur Behandlung psychischer Erkrankungen zwei Fachgebiete nebeneinander entwickelt, nämlich die Psychiatrie einerseits und die Psychosomatik andererseits. Beide verwenden psychotherapeutische Methoden. In vielen anderen Ländern der Welt gibt es diese Trennung nicht.

Für die Patienten mit einer psychischen Erkrankung und ihre Angehörigen kommt es darauf an, schnell und unkompliziert den richtigen Ansprechpartner zu finden. Sie müssen wissen, wer über eine umfassende therapeutische Kompetenz verfügt.

Mit der Bezeichnung „Klinik für psychische Erkrankungen“ wollen wir deutlich machen, dass in unserem Hause unter einem Dach beide Fachgebiete vertreten sind, so dass bei uns alle psychischen Störungen nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis behandelt werden können. Die Klinik ist gleichzeitig eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und eine Klinik für Psychosomatische Medizin. An der Konzeptentwicklung, Behandlungsplanung und Supervision sind Fachärzte beider Gebiete beteiligt.

Wir praktizieren Kooperation anstelle von Konkurrenz. Wir bekennen uns zu dem Ziel, die beiden Fachgebiete künftig wieder zu einem Gebiet – mit mehreren Schwerpunkten – zu verschmelzen.

Wie kommen Patienten in die Klinik?

Aufgenommen werden können volljährige Männer und Frauen aus allen Altersgruppen, wenn wegen einer psychischen Erkrankung eine Behandlung im Krankenhaus notwendig ist. Die Anmeldung nimmt in der Regel der Hausarzt oder der ambulant behandelnde Facharzt vor. Angemeldete Patienten werden kurzfristig zur Aufnahme einbestellt. Ob die Behandlung bei uns stationär, teilstationär, vor- oder nachstationär oder ambulant erfolgt, wird fachärztlich entschieden – möglichst im Einvernehmen mit Patienten und Angehörigen.

Im Notfall ist die Krankenhaus-Einweisung durch den ärztlichen Notdienst jederzeit sofort möglich – an allen Tagen des Jahres rund um die Uhr.

Die Behandlung von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen gehört nicht zu unseren Aufgaben. Über die speziellen Kenntnisse für diese Altersgruppe verfügen Ärzte und Kliniken für Kinder- und Jugend-Psychiatrie. Heranwachsende und junge Erwachsene, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, können selbstverständlich bei uns aufgenommen werden.

Betagte Patienten, die wegen seelischer Erkrankungen eine klinische Behandlung brauchen, sind bei uns willkommen. Im Grunde wünschen wir uns, dass alte Menschen, die ein Nachlassen ihrer geistigen Fähigkeiten bemerken, frühzeitig fachärztlich untersucht und behandelt werden. Nach unserer Erfahrung wird damit oftmals viel zu lang gewartet.

 

Beratung und Unterstützung für Angehörige (Pflegesprechstunde)

Die Pflegesprechstunde sieht feste Sprechzeiten für die Angehörigen unserer Patienten vor. Sie wird regelmäßig angeboten und von psychiatrisch qualifizierten Pflegekräften der jeweiligen Station geleitet. Sie erhalten Informationen, kompetente Beratung und Unterstützung

  • zu psychischen Erkrankungen
  • zur allgemeinen Pflege Ihres erkrankten Familienmitglieds
  • zum verständnisvollen Umgang mit dem erkrankten Familienmitglied
  • zu Überforderungssituationen
  • zu Ansprechpartnern und Hilfsangeboten nach der Entlassung aus der Klinik
  • auch in Form von hilfreicher Literatur

Die Pflegesprechstunde findet jeden Dienstagnachmittag statt.

PSY-1A, PSY-2A, PSY-3A: jeden Dienstag um 16:30 Uhr

PSY-1B, PSY-2B: jeden Dienstag um 17:00 Uhr

Anlaufstelle ist stets das Dienstzimmer der Station.

Wenn Sie an einer individuellen Beratung und an Hilfestellung in Bezug auf konkrete pflegerische Maßnahmen interessiert sind, empfehlen wir, mit dem Pflegeteam einen Gesprächstermin zu vereinbaren.

Informationen für Selbstzahler

Für Patienten mit einer privaten Krankenversicherung (oder einer Zusatzversicherung) besteht die Möglichkeit, die Wahlleistung „Chefarztbehandlung“ in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall übernimmt der Chefarzt der Klinik, Herr Priv. Doz. Dr. med. Felix M. Böcker, oder in seiner Vertretung die Leitende Oberärztin, Frau Dr. med. Andrea Böcker, persönlich Ihre Behandlung. Für die ärztlichen Leistungen erhalten Sie eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die Sie bei Ihrer Krankenkasse zur Erstattung einreichen.

Anmeldung bitte direkt im Chefarzt-Sekretariat
Frau Günther
Telefon: (0 34 45)-72 18 01

Curriculum vitae des Chefarztes

  • Studium der Medizin in Kiel und Ulm
  • Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Günzburg und Erlangen
  • Psychotherapie-Ausbildung mit tiefenpsychologischem Schwerpunkt
  • Promotion und Habilitation über sozialpsychiatrische Fragestellungen
  • Schwerpunktbezeichnung Forensische Psychiatrie
  • Weiterbildungs-Befugnis für Psychiatrie und Psychotherapie und für Geriatrie.

Curriculum vitae der Leitenden Oberärztin

  • Studium der Medizin in Ulm
  • Weiterbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und zur Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin in Erlangen – unter anderem in klientenzentrierter Gesprächspsychotherapie und Gestalttherapie, systemischer Paar- und Familientherapie und dialektisch-behavioraler Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Anerkennung als Balintgruppen-Leiterin
  • Weiterbildungsbefugnis für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Informationen zum Rechtsschutz für Patienten

Manche Menschen befürchten, dass sie bei einer Einweisung in eine psychiatrische Klinik ihre persönliche Freiheit verlieren.

Natürlich muss man sich im Krankenhaus, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen leben und arbeiten, an gewisse Spielregeln halten. Zum Beispiel gerät der Stationsbetrieb völlig durcheinander, wenn Patienten das Haus verlassen, ohne sich bei einer Pflegekraft abzumelden. Einige solche Regeln, zu deren Einhaltung übrigens Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen verpflichtet sind, haben wir für jede Station in einer allgemeinverständlichen Stationsordnung zusammengefasst.

Tatsächlich kommt es gelegentlich vor, dass Menschen gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, um sie zu behandeln. Ein so schwerwiegender Eingriff in die persönliche Freiheit kommt nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht.

Nach dem Gesetz über Hilfen für psychisch Kranke und Schutzmaßnahmen des Landes Sachsen-Anhalt (PsychKG LSA) vom 30.01.1992 kann ein Erwachsener in den abgeschlossenen Teil eines psychiatrischen Krankenhauses eingewiesen werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  • Der oder die Betroffene leidet unter einer relevanten psychischen Störung.
    (Das Gesetz gilt für Personen, die an einer Psychose oder einer Suchtkrankheit oder einer anderen krankhaften seelischen oder geistigen Störung oder an einer seelischen oder geistigen Behinderung leiden oder bei denen Anzeichen einer solchen Krankheit, Störung oder Behinderung vorliegen).
  • Der oder die Betroffene stellt aufgrund dieser Störung eine erhebliche gegenwärtige Gefahr für sich selbst oder für andere Personen dar .
    (Nach dem Gesetz ist eine Unterbringung nur zulässig, wenn und solange die gegenwärtige erhebliche Gefahr besteht, dass der Betroffene sich schwerwiegende gesundheitliche Schäden zufügt oder sein Verhalten aus anderen Gründen eine gegenwärtige erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt).
  • Der Gefahr kann mit anderen, weniger eingreifenden Mitteln nicht begegnet werden.

Dass diese Bedingungen erfüllt sind, muss durch ein aktuelles ärztliches Zeugnis nachgewiesen sein. Zuständig für die Einweisung ist im Burgenlandkreis das Ordnungsamt. In der Klinik muss der oder die Betroffene gründlich untersucht werden.

Wenn in der Klinik festgestellt wird, dass die Voraussetzungen für eine Unterbringung nicht vorliegen, gibt es zwei Möglichkeiten: Freiwillige Weiterbehandlung oder Entlassung.

Wenn die Unterbringung und Behandlung gegen den Willen des oder der Betroffenen länger als bis zum Ablauf des auf die Einweisung folgenden Tages weitergeführt werden soll, muss das zuständige Amtsgericht eingeschaltet werden, eine richterliche Anhörung durchführen und eine Entscheidung treffen. Gegen diese Entscheidung kann der Patient, wenn er nicht damit einverstanden ist, Beschwerde einlegen.

Übrigens erlaubt das PsychKG LSA bei günstigem Verlauf der Behandlung Lockerungen während der Unterbringung, zum Beispiel in Form von Ausgang, Verlegung auf die offene Station und sogar Urlaub.

Nach dem Betreuungsrecht kann für einen Volljährigen, der aufgrund einer Krankheit oder einer Behinderung einige seiner persönlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst zu besorgen vermag, ein Betreuer bestellt werden. Wenn der Aufgabenbereich des Betreuers das Aufenthaltsbestimmungsrecht und die Befugnis zur Entscheidung über die Unterbringung umfasst, kann der Betreuer den Betreuten auch gegen seinen Willen zur Heilbehandlung in eine psychiatrische Klinik einweisen.

Auch in diesem Fall muss spätestens am nächsten Tag eine richterliche Entscheidung herbeigeführt werden, gegen die der Patient Beschwerde einlegen kann. Dann prüft die Beschwerdekammer des Landgerichts, ob die Unterbringung zu Recht erfolgt ist.

Die gleichen strengen Regeln gelten auch für unterbringungsähnliche Maßnahmen wie die „fürsorgliche Zurückhaltung“ von verwirrten oder orientierungslosen Personen und für alle anderen Formen von Zwang.

Die Mitarbeiter der Klinik werden immer bemüht sein, mit vertrauensbildenden Maßnahmen eine Zustimmung zur Behandlung zu erreichen, um auf die Anwendung von Zwang möglichst ganz verzichten zu können.

Wenn Sie Anlass sehen, sich zu beschweren, können Sie sich an diese Stellen wenden:

  • An den Chefarzt der Klinik, Herrn Priv. Doz. Dr. med. Felix M. Böcker, Tel. (0 34 45) 72 18 00
  • An den Ärztlichen Direktor des Klinikums, Herrn Dr. med. B. Lobenstein, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie,
    Tel. (0 34 45) 72 11 03
  • An den Geschäftsführer der Klinikum Burgenlandkreis GmbH, Herrn Frohn, Tel. (0 34 45) 72 10 01
  • An den Patientenfürsprecher Harri Reiche
    Sie erreichen Herrn Reiche telefonisch über die Information beider Standorte der Klinikum Burgenlandkreis in Naumburg: 03445 72-0 - in Zeitz: 03441 740-0
    E-Mail: patientenfuersprecher(at)klinikum-burgenlandkreis.de
  • An den Ausschuss für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung des Landes Sachsen-Anhalt,
    c/o Dr. Gudrun Fiss, Landesverwaltungsamt, Ernst-Kamieth-Str. 2, 06112 Halle/Saale,
    Tel. (03 45) 514 1732, Fax  (03 45) 514 1745.
  • An die Beschwerdekammer des Landgerichts Halle, Hansering 13, 06108 Halle.

 

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