Leistungen

Behandlung von Schlaganfällen

Der Schlaganfall ist die häufigste akute Erkrankung des Gehirns.
Aufgrund einer Durchblutungsstörung oder Blutung des Gehirns kommt es dabei zu Lähmungen, Empfindungsstörungen, Sprach- oder Schluckstörungen, Sehstörungen oder Schwindel. Nicht selten sind die bleibenden Störungen so schwerwiegend, dass die Betroffenen dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind.

Die Therapiemöglichkeiten auf der Stroke Unit sind abhängig vom sogenannten Zeitfenster, d. h. ob ein Patient in den ersten drei Stunden oder später in der Klinik erscheint. Idealerweise wird ein Thrombolysemittel gespritzt, was ein Blutgerinnsel in einem Hirngefäß, welches häufig die Ursache für einen Schlaganfall ist, auflösen kann.

Besonderheiten der Stroke Unit:

Jedes Bett unserer Stroke Unit ist mit einem Monitor zur Überwachung aller lebenswichtigen Parameter (Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Blutzucker, Sauerstoffsättigung) ausgestattet. Diese Parameter werden fortlaufend durch speziell ausgebildete Pflegekräfte (sogenannte „Stroke Nurses“) kontrolliert und in einen für den Heilungsverlauf nach Schlaganfall optimalen Zielbereich eingestellt. Parallel kümmern sich eigens für diese Patienten verantwortliche Ärzte, die 24 Stunden am Tag für den einzelnen Schlaganfallpatienten zuständig sind. Sie führen regelmäßige neurologische und notwendig apparative Untersuchungen durch. Dadurch können sehr rasch die möglichen Ursachen für den stattgehabten Schlaganfall gefunden und weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden, da sofort mit den notwendigen Behandlungen begonnen werden kann.

Es erfolgt eine regelmäßige internistische Mitbehandlung.

Eine weitere Besonderheit ist die frühe Mobilisation und Rehabilitation der Schlaganfallpatienten durch das unmittelbare Zusammenwirken aller Berufsgruppen (Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden). Gerade die frühe Untersuchung möglicher Schluckstörungen durch die Logopäden (bereits in den ersten 24 Stunden) fördert einen günstigen Krankheitsverlauf, da hierdurch gefürchtete Komplikationen vermieden werden können.

Für Stroke Unit Patienten stehen Therapeuten aller o. g. Berufsgruppen auch an Sonn- und Feiertagen zur Verfügung.

Behandlung von Schluckstörungen

Wenn bei einem Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen auch die Muskulatur des Rachens und Kehlkopfes gelähmt sind, ist eine häufige Folge eine Schluckstörung. Dabei besteht die Gefahr, dass Speisen in die Luftröhre, z. T. unbemerkt „verschluckt“ werden und hierdurch schwere Lungenentzündungen entstehen können.

Um rechtzeitig zu erkennen, ob solch eine Störung vorliegt, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Untersuchung, z. B. durch einen Logopäden
  • Durchführung ganz spezieller Schluckmanöver
  • Betrachten des Schluckens, wie bei einem Video mittels eines Schlauches über die Nase bzw. durch Röntgenaufnahmen.

Behandlung von Schwindelsyndromen

Schwindel ist ein häufiger Grund, weshalb Patienten einen Arzt aufsuchen.
Dabei kann dieser durch Störungen des Herz-Kreislaufes bedingt sein. In 50 % der Fälle liegt der Grund in einer Schädigung des Gleichgewichtssystems (Gleichgewichtsorgan im Innenohr, Gehirn, Rückenmark, periphere Nerven).
In immerhin einem Viertel der Fälle finden sich seelische Erkrankungen, in nur seltenen Fällen sind die Halswirbelsäule bzw. ernsthafte Erkrankungen, Schlaganfall oder ein Hirntumor für den Schwindel verantwortlich zu machen.

Die Behandlung des Schwindels unterscheidet sich je nach Ursache deutlich.
Deshalb muss eine genaue Klärung der Gründe durch Befragen, körperliche und apparative Untersuchungen erfolgen. Meist reichen spezielle physiotherapeutische Maßnahmen oder nur die vorübergehende Gabe von Medikamenten aus.

Behandlung von Anfallsleiden (Epilepsien, Synkopen ...)

Man unterscheidet nach ihrer Verursachung epileptische und nicht-epileptische Anfälle sowie, je nach Beeinträchtigung der Wahrnehmung, solche mit und ohne Bewusstseinsstörung.

Epileptische Anfälle treten auf bei Epilepsien – Erkrankungen mit spontan auftretenden anfallsartigen Veränderungen der Wahrnehmung oder des Verhaltens, die auf einer abnormen gleichzeitigen Entladung von Nervenzellverbänden der Hirnrinde beruhen und immer wieder auftreten können. Es gibt sie als erbliche, angeborene bzw. bereits in der Kindheit auftretende Formen und/oder als Begleitfolge einer anderen körperlichen bzw. Hirnerkrankung.
Ebenso vielfältig kann das Erscheinungsbild der einzelnen Anfälle sein. Oftmals lassen sie sich gut behandeln, wenn bestimmte Verhaltensregeln beachtet werden.

Zu nicht-epileptischen Anfällen rechnet man:

  • Synkopen (kurzer Bewusstseins- und Muskeltonusverlust infolge vorübergehender Hirndurchblutungsstörungen, die wiederum unterschiedliche Ursachen haben können – so z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Regulationsstörungen im sogen. vegetativen Nervensystem)
  • sogen. „drop attacks“ (ungeklärte Sturzanfälle ohne Warnsymptome, meist älterer Menschen, ohne Bewusstseinsverlust)
  • Tetanische Anfälle (Kribbelmissempfindungen um den Mund herum bzw. an den Lippen, Verkrampfungen der Hand- und Fußmuskeln begleitet bzw. Folge von einer vermehrten Atemfrequenz)
  • Hirnstammanfälle (schmerzhafte tonische Verkrampfungen der Muskulatur infolge von Schädigungen im Hirnstammbereich)
  • Bestimmte Migräneformen
  • Psychogene Anfälle (durch seelische Konflikte bedingte Anfälle)

Behandlung von entzündlichen Erkrankungen am Nervensystem

Entzündliche Erkrankungen können sich prinzipiell an allen Nervensystemabschnitten abspielen:

  • als Enzephalitis am Gehirn
  • als Meningitis an den Hirnhäuten
  • als Myelitis am Rückenmark
  • als Radikulitis an den Nervenwurzeln
  • als Neuritis an den peripheren Nerven

Sie können durch Viren oder Bakterien oder andere seltene Erreger verursacht sein, wobei die bakterielle, meist eitrige Form durch Kokken oftmals schwerwiegender, manchmal sogar tödlich verlaufen kann.
Hier ist es besonders wichtig, durch rasche Klinikeinweisung die gebotene Behandlung
unverzüglich einleiten zu können. Diese erfolgt meist durch Medikamente und entsprechende Pflegemaßnahmen.

Als chronische, oft schubhaft wiederkehrende autoimmunvermittelte entzündliche Erkrankung am zentralen Nervensystem (ZNS) ist vor allem die Multiple Sklerose bereits bei jüngeren Erwachsenen bekannt und verlangt sowohl akute (sofortige) als auch langfristige Behandlungsmaßnahmen, die heute weit fortgeschrittener als noch vor Jahren sind. Hier ist eine gute Anleitung zur Krankheitsverarbeitung und Anbahnung psychosozialer Hilfestellungen besonders wichtig. Diesem Bedarf stellen wir uns insbesondere mit dem Angebot einer Selbsthilfegruppe für neu an MS Erkrankte, um sowohl dem Informationsbedarf als auch dem nach Unterstützung in der Behandlung nach dem Klinikaufenthalt zu entsprechen.

Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen

  • am peripheren Nervensystem: Polyneuropathien, Erkrankungen einzelner peripherer Nerven (u. a. Engpasssyndromen) oder Nervengeflechte, Nervenwurzeln
  • am Muskelapparat: Myopathien erblicher, entzündlicher, immunvermittelter oder sekundärer Genese
  • an der Übertragungsstelle Nerv-Muskel: Myasthenien, myasthene Syndrome

Polyneuropathien:

sind Erkrankungen an mehreren peripheren Nerven. Zahlreiche Grunderkrankungen und äußere Einflüsse können zu einer Polyneuropathie führen.
Für fast die Hälfte aller Neuropathien sind jedoch Diabetes mellitus und Alkohol verantwortlich. Die Patienten klagen über Missempfindungen (Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen), Schmerzen, „burning feet“, Reißen, Stechen und Muskelkrämpfe.
Viele ertragen wegen einer Überempfindlichkeit der Haut die Berührung der Bettdecke nicht, einige verspüren eine ständige Unruhe in den Beinen („restless legs“). Häufig werden ein Schwankschwindel und Gangunsicherheit angegeben.
Bei Beteiligung der motorischen Nerven treten Lähmungen und Muskelschwund, bei Störung der autonomen Nerven,
z. B. Veränderungen des Schwitzens, der Haut, der Nägel oder auch der Blutdruck- und Pulsregulation auf.
Zur Ursachenaufklärung sind neben der Vorgeschichte (Medikation, Toxinexposition, Begleiterkrankungen, Familienanamnese) und klinischer Untersuchung, Elektrophysiologie,
laborchemische Bestimmung von Blut, Serum, Liquor, ggf. auch die Entnahme von Gewebeproben (Nerv, Muskel, Schleimhaut) und molekulargenetische Untersuchung erforderlich.
Bei bestimmten Erkrankungen kann eine spezifische Behandlung durchgeführt werden.
Dies gilt v. a. für immunvermittelte und erregerbedingte Polyneuropathien. Auch eine gute Blutzuckereinstellung oder Beseitigung von Mangelerscheinungen (Vitamin B12) können als ursächliche Behandlung gesehen werden. Häufig wird man sich darauf beschränken müssen, durch unspezifische Maßnahmen Schmerzen und unangenehme Missempfindungen zu beseitigen.
Bei Lähmungserscheinungen sollte frühzeitig und konsequent physiotherapeutisch behandelt werden.

Myasthenia gravis (MG)

und andere myasthene Syndrome beruhen auf einer Störung der neuromuskulären Erregungsübertragung bei intaktem Nerv und Muskel.
Leitsymptom der MG ist eine abnorme Ermüdbarkeit belasteter Muskelgruppen, die in der zweiten Tageshälfte oft stärker ausgeprägt ist. Bei mehr als der Hälfte der Patienten beginnt die Erkrankung als Schwäche der Augenmuskeln mit Herabhängen des oberen Augenlides und Doppelbildern.
Unbehandelt kommt es zur Ausbreitung auf andere Muskelgruppen mit Beteiligung der Kau- und Schlundmuskulatur (Kau- und Schluckstörung), der Atemmuskulatur (Luftnot) und der Extremitätenmuskulatur (abnorme Ermüdung proximaler Muskelgruppen unter Belastung). Verschlimmerungen können bei Infektionen, Operationen, Einnahme bestimmter Medikamente und bei Frauen in der Schwangerschaft auftreten. Selten manifestiert sich die MG akut unter dem Bild einer myasthenen Krise mit lebensbedrohlicher Luftnot, Neigung zum und hochgradigen Lähmungen.
Die Diagnosestellung ist relativ einfach. Neben der Anamnese gehören dazu die körperliche Untersuchung, der Edrophonium-Test, die laborchemische Bestimmung von Antikörpern, die Elektrophysiologie (Dekrement-Test) und ein Thorax-CT oder -MRT zum Nachweis eines Thymoms (Tumor des Thymus).
Zur Behandlung der Myasthenia gravis stehen verschiedene Therapeutika zur Verfügung (Cholinesterasehemmer, Immunsupressiva), durch deren kombinierte Anwendung den Patienten fast immer ein weitgehend normales Leben ermöglicht wird. Bei Patienten < 50 Jahren wird grundsätzlich eine Thymektomie (Entfernung des Thymus) empfohlen.
Ein manifestes Thymom sollte immer entfernt, ggf. auch radiochemotherapiert werden.

Myopathien

bilden eine Gruppe von Erkrankungen der quergestreiften Muskulatur. Sie werden in sogenannte primäre Myopathien, die ursächlich auf einer Erkrankung  der Muskulatur beruhen, Myopathien bei anderen Grunderkrankungen (z. B. Stoffwechselerkrankungen) und sonstige Myopathien (Alkoholmyopathie, arzneimittelinduzierte Myopathien) eingeteilt.
Eine weitere wichtige Gruppe stellen die entzündlichen Myopathien (Polymyositis, Dermatomyositis) dar.
Leitsymptom aller Myopathien ist eine Muskelschwäche. Diese kann generalisiert auftreten oder nur bestimmte Muskelgruppen betreffen. Als weitere Symptome können Schmerzen, Krämpfe und Muskelatrophie auftreten. Anamnese und Verteilungsmuster sind wichtig für die Diagnosestellung. Der klinische Verdacht kann unter anderem durch die Elektromyographie erhärtet und in einer Muskelbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) ggf. molekulargenetisch bestätigt werden.
Eine spezifische Therapie ist nur bei bestimmten Erkrankungen, wie z. B. bei entzündlichen Myopathien, Stoffwechselerkrankungenen (Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung) möglich. Größtenteils muss man sich auf symptomatische Maßnahmen (Physiotherapie, Hilfsmittelversorgung) beschränken.

Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen ohne und mit Demenz

Die neurodegenerativen Erkrankungen sind eine vielgestaltige Gruppe von verschiedenen Krankheitsbildern mit einem gemeinsamen wichtigen Merkmal – dem Nervenzelluntergang. Diesem liegen zahlreiche, zum Teil auch wissenschaftlich ungeklärte, krankhafte Stoffwechselprozesse unterschiedlichster Natur und Herkunft zugrunde. Die auslösenden Ursachen sind bei den meisten nur teilweise bekannt oder völlig unbekannt. Bei manchen dieser Krankheiten werden auch genetische Voraussetzungen diskutiert. Die gemeinsamen Folgen sind die Zerstörung des Nervenzellstoffwechsels und später der Zelltod.
Daraus resultieren Funktionsstörungen in verschiedenen Bereichen des Zentralnervensystems. Die letzten zeigen je nach der betroffenen Zellregion bzw. ausgefallenen Zellfunktionen auch sehr verschiedene klinische Äußerungen.

Dazu gehören u. a. Erkrankungen, wie z. B.

  • Alzheimer-Krankheit, die vorwiegend mit Befall der Hirnrindenzellen mit zunehmender Hirnleistungsminderung einhergeht
  • die amyotrophische Lateralsklerose, die durch Untergang von motorischen Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark entsteht, die für die Funktion der Muskeln verantwortlich sind und zur Entwicklung von Lähmungen und Muskelschwund führt
  • die Parkinson-Krankheit, bei der ein veränderter Muskelwiderstand und Bewegungsverarmung im Vordergrund stehen, manchmal mit einem Ruhetremor („Zittern“) verbunden
  • die Multisystematrophien, die sich klinisch mit einer Kombination von Parkinson-Symptomen, Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen und recht selten auch mit Hirnleistungsminderung gestalten

Durch den Ausfall der Zellfunktionen einer Zellgruppe können oft Symptome von verschiedenen anderen Bereichen des Gehirns oder des Rückenmarks auftreten, zumal die Nervenzellen im Zentralen Nervensystem (ZNS) nicht isoliert, sondern nur in enger Verbindung und Zusammenarbeit mit anderen Nervenzellen und durch Umtausch von Botenstoffen (Neurotransmittern) das Funktionsgleichgewicht des ZNS bzw. des Körpers steuern können.

Entsprechend der unbekannten Ursachen ist auch keine ursächliche Behandlung möglich, sondern nur eine, die die zellschädigenden Mechanismen oder deren Folgen beeinflusst. Das heute mögliche Ziel ist den Zelluntergang zu verlangsamen, falls möglich zu stoppen und die nicht betroffenen Nervenzellverbände zu schonen, um einen weiteren Untergang zu verhindern. Zurzeit verfügt die medizinische Wissenschaft, insbesondere bei rechtzeitiger Untersuchung, aber über verschiedene Mittel, um die Lebensqualität der Betroffenen zumindest zu verbessern.

Behandlung von Bewegungsstörungen

Diese zeigen sich durch veränderte Bewegungsabläufe, die zumeist in tieferen Gehirnstrukturen (in den sogenannten Basalganglien) verursacht sind.
Je nach Art der Schädigung resultieren abnorme unwillkürliche Bewegungsstörungen, verminderte Beweglichkeit mit vermehrtem Muskelwiderstand oder aber auch mit vermehrten Muskelkontraktionen
einhergehende willkürliche oder unwillkürliche Bewegungsabläufe (Dystonien).

Beispiele sind verschiedene Parkinsonsyndrome, bei denen es zu einer erheblichen Bewegungsverarmung, einer erhöhten Muskelsteifigkeit (Rigor) mit ruckartigem Widerstand und einem rhythmischen Händezittern in Ruhe (Ruhetremor) kommen kann.

Im Gegensatz dazu kommt es bei der Chorea Huntington (Veitstanz) zu blitzartig einsetzenden, überschießenden Bewegungen und ständiger Bewegungsunruhe.

Bei den Dystonien, die erst in den letzten Jahren dank der Fortschritte in der Molekulargenetik immer häufiger als neurologische Erkrankungen erkannt werden, kommt es zu unwillkürlichen tonischen Verkrampfungen einzelner Muskelgruppen, die heute in vielen Fällen  mit Botulinumtoxin erfolgreich behandelt werden können.
Hierfür bieten wir eine Sprechstunde („Dystonie-Ambulanz“) an, in der sich Betroffene nach Voranmeldung und Überweisung vom Hausarzt, Nervenarzt, Augenarzt oder Orthopäden vorstellen und behandeln lassen können.
Auch im Bereich spastischer Bewegungsstörungen wenden wir seit Jahren erfolgreich Botulinumtoxin, eingebettet in ein Programm aus Physio- und Ergotherapie, an.

Neben dem Zittern bei Parkinson gibt es weitere Tremorerkrankungen (Tremor = unwillkürliches Zittern von Extremitäten oder des Kopfes), die entweder isoliert und nur bei bestimmten Bewegungen, Aktionen oder kombiniert mit anderen Krankheitszeichen auftreten, wie beispielsweise der sogenannte essentielle oder auch der aktionsgebundene und dystone Tremor.

Behandlung verschiedener Schmerzsyndrome

Der Schmerz ist eine komplexe Schmerzempfindung, oft mit starker seelischer Komponente. Im einfachsten Fall wird die Erregung von Schmerzrezeptoren über spezielle Nervenbahnen an das zentrale Nervensystem weitergeleitet und führt zur Schmerzwahrnehmung.

Akuter Schmerz tritt im Rahmen eines akuten Ereignisses, beispielsweise eines Traumas,
einer Operation oder bei Migräne auf. Die Dauer liegt im Bereich von Tagen bis Wochen
(weniger aber als 4 Wochen).
Von chronischem Schmerz spricht man dann, wenn die Beschwerden länger als 6 Monate anhalten. Schmerzzustände sind für den Körper erlernbar.
Wiederholt auftretende Schmerzen führen dabei zu intensiviertem und längerem Schmerzempfinden, da dabei die Schmerzschwelle herabgesetzt wird. Deshalb ist eine frühzeitige und ausreichende Schmerzbekämpfung mit Medikamenten wichtig.

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Befindlichkeitsstörungen.
Sie werden wahrscheinlich nur noch von Rückenschmerzen übertroffen.
Es ist daher nicht ungewöhnlich, hin und wieder Kopfschmerzen zu haben.

Folgende Kopfschmerzen können unterschieden werden:

  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz
  • Clusterkopfschmerz
  • medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Behandlung von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben 
In 80 von 100 Fällen lassen sich keine krankhaften körperlichen Veränderungen finden.
Krankheitsbilder, die zu Rückenschmerzen führen, sind:

  • Wirbelbrüche (z. B. bei Osteoporose)
  • Bandscheibenveränderungen mit Bandscheibenvorfällen
  • Verengung des Wirbelkanals
  • Entzündungen, z. B. nach Herpes-Zoster- bzw. während Borrelieninfektion ...
  • Tumore der Wirbel

Vor allem bei bewegungsunabhängigen Rückenschmerzen muss auch an internistische Erkrankungen gedacht werden. Atemabhängige Schmerzen können durch eine Rippenfellentzündung, belastungsabhängige Schmerzen durch eine koronare Herzkrankheit und nahrungsabhängige Schmerzen durch Fehler in der Ernährung ausgelöst werden.

Untersuchungsverfahren im Neurophysiologischen Labor

Jeder Behandlung sollte eine gezielte und krankheitsspezifische Untersuchung vorangehen.
Hierfür haben wir in den letzten Jahren ein modernes neurophysiologisches Labor
aufgebaut, welches uns umfangreiche Untersuchungsmöglichkeiten bietet:

Elektrophysiologische Verfahren

EEG = Elektroencephalogramm
Die EEG ist eine Methode zur Messung der elektrischen Gehirnströme.
Auf die Kopfhaut werden Metallplättchen (Elektroden) aufgesetzt (meist 21).
Zwischen jeweils zwei Elektroden werden in verschiedenen Kombinationen
die elektrischen Spannungsunterschiede gemessen, mit einem speziellen Gerät
verstärkt und schließlich als Hirnstromwellen aufgezeichnet. Dieses elektrische
Potenzial bauen die Nervenzellen selbst auf. Es ist Zeichen ihrer Aktivität
und Funktionstüchtigkeit. Die Ableitung erfolgt bei uns ausschließlich
mit papierlosen digitalen Systemen.
Am Abend vor der Untersuchung sollte sich der Patient die Haare waschen,
dabei kein Haarspray oder -gel verwenden und möglichst keine Schlaf- oder
Beruhigungsmittel einnehmen.

ENG = Elektroneurographie
Bei der ENG wird die elektrische Leitfähigkeit anhand der gemessenen
Nervenleitgeschwindigkeiten bestimmt. Letztere ist bei bestimmten
Nervenerkrankungen vermindert. Außerdem kann die neuromuskuläre
Überleitung bestimmt werden und damit die Übertragung eines Nervenimpulses
auf die Muskulatur beurteilt werden.

EMG = Elektromyographie
Bei diesem technischen Untersuchungsverfahren wird die natürliche, elektrische
Aktivität eines Muskels gemessen und liefert Hinweise darauf, ob der Muskel
selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel mit Information versorgt,
nicht ausreichend funktioniert.

2-Kanal-EMG/Tremoranalyse
Sie dient der Aufzeichnung von Tremorpotentialen und dystoner Entladungen
mit dem Ziel, eine Zuordnung und Ableitung eines entsprechenden Therapieschemas zu ermöglichen.

EP = Evozierte Potentiale
Die Ableitung evozierter (=hervorgerufener) elektrischer Aktivität über der Hirnrinde durch Stimulation verschiedener Nervenbahnsysteme (sensibles, motorisches System, Sehbahn, Hörbahn). Da die Antworten der Signale noch 1 000 Mal kleiner als EEG-Potenziale sind, ist eine Verstärkung durch Computer und optimale Entspannung des Patienten notwendig.

Reflexuntersuchungen
OOR = Orbicularis-Oculi-Reflex = Blinkreflex
Masseterreflex

Autonome Funktionsprüfungen wie:
SSR = Sympathische Hautantwort
Hf-Varianzanalyse
Schellong-Test
NHST = Ninhydrin-Schweißtest
Minor'scher Schweißtest

Hirnleistungstests
MMST, DemTect und SKT

Weitere Untersuchungsmöglichkeiten sind
Liquordiagnostik (Nervenwasseruntersuchung)
CT = Computertomografie
MRT = Magnetresonanztomografie
Myelografie = Darstellung der am Rückenmark befindlichen Liquorräume mit Kontrastmittel
Post-Myelo-CT
DSA = Digitale Subtraktionsangiografie
PTA = Perkutane transluminale Angioplastie

Ergotherapie

Hier werden vor allem Erkrankungen des zentralen Nervensystems, z. B.:

  • Zustand nach Schlaganfall
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Querschnittslähmungen
  • Multiple Sklerose oder Parkinson-Syndrom

behandelt. Diese weisen in der Regel sehr umfangreiche Störungsbilder auf, die sich vergleichsweise langsam und nur selten vollständig zurückbilden.

Eine ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet z. B.:

  • Hemmung und Abbau krankhafter Haltungs- und Bewegungsmuster, Erlernen und Üben normaler Bewegungen
  • Umsetzung und Verinnerlichen von Sinneswahrnehmungen
  • sensorische Integration
  • Verbesserung von Störungen der Grob- und Feinbewegungen
  • Verbesserung von Gleichgewichtsfunktionen
  • Verbesserung von neuropsychologischen Defiziten und Einschränkungen, der geistigen Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese-Sinn-Verständnis, das Erkennen von Gegenständen oder das Erfassen von Räumen, Zeit und Personen
  • Erlernen von Ersatzfunktionen
  • Entwicklung und Verbesserung der Fähigkeiten unter anderem in den Bereichen der Gefühlssteuerung, der Affekte oder der Kommunikation
  • Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit
  • Beratung bezüglich geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, eventuell Anpassung von Hilfsmitteln

Um die oben beschriebenen Ziele zu erreichen, greift die Ergotherapie auf verschiedene
Behandlungsansätze zurück, wie zum Beispiel: Jean Ayres, Bobath, Affolter, Johnstone, PNF, Perfetti, Catillo Morales und Weitere.

Physiotherapie

Grundprinzip der Physiotherapie ist es, auf den Organismus Reize auszuüben, die in seiner natürlichen Umwelt bereits vorhanden sind. Solche Reize können z. B. die Einwirkung von Wärme oder Kälte sein oder die Ausführung bestimmter aktiver oder passiver Bewegungen.
Alle diese Reize kennt der Organismus bereits aus dem Alltag. Im Unterschied dazu wirken die Reize in der Physiotherapie jedoch nicht zufällig und ungezielt auf den Organismus ein, sondern bewusst gesteuert und zielgerichtet. Ein Beispiel dafür ist die örtliche Anwendung von Kälte bei Entzündungsvorgängen.

Diese Reize sollen eine aktive Antwort des Organismus hervorrufen. Die Antworten stammen aus dem natürlichen Spektrum der körperlichen Reaktionen. Ganz automatisch antwortet beispielsweise die Haut auf einen Kältereiz zunächst mit Blässe, später reaktiv mit Röte und Erwärmung. Solche natürlichen Reaktionen steuert das unwillkürliche Nervensystem. Muss es immer wieder auf denselben Reiz antworten, wird sich in seiner Antwort früher oder später etwas verändern. Um therapeutisch wirksam zu werden, muss der Reiz jedoch mehr als einmal einwirken – er muss möglichst serien-, d. h. kurmäßig zum Einsatz kommen. Neben der direkten Antwort und der Veränderung dieser Antwort im Laufe der Zeit haben die physiotherapeutischen Verfahren meist auch noch indirekte Wirkungen. So kann z. B. die wiederholte Anwendung von Wärme- und Kältereizen im Wechsel den Körper gegen Erkältungen abhärten.

Logopädie

Die Logopädie der Neurologischen Klinik findet ihr Tätigkeitsfeld hauptsächlich in den drei Bereichen:

  • Schluckstörungen
  • Sprech- und Sprachstörungen
  • Lähmungen im Gesichts- und Mundbereich

Ein Schwerpunkt ist die Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen.
Dafür werden neben der klinischen Schluckuntersuchung durch erfahrenes Fachpersonal auch modernste apparative Diagnostikverfahren, wie transnasale Endoskopie (Betrachten der Schluckorgane mittels Optik über einen Schlauch durch die Nase) und Videofluoroskopie (Betrachten des Schluckvorganges durch Röntgen) eingesetzt.

Die Logopädie ermöglicht bei neurologisch bedingten Sprech- und Sprachstörungen, wie z. B. dem Schlaganfall, einen möglichst frühen Therapiebeginn, um eine optimale Rehabilitation zu sichern. Dies trägt wesentlich zum Erhalt und zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit unserer Patienten bei.

Ebenso sind bei Lähmungen im Gesichtsbereich eine schnelle Intervention und frühzeitige Stimulation der betroffenen Nerven durch den erfahrenen Logopäden ein Grundstein für die schnelle Reaktivierung der Muskelfunktionen.

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